slam

Prince of Whiteskype

Gemeinsam allein mit dir von Anfang an. Schüchtern stand in deinem Profil.
Wir schweigen in Silber und Skypen in Gold. Schickst dancing chicken,
hast mir tausend Smileys vom Himmel gelolt. 
Wahnsinn wie viel ich lache my Dear. 
Du fragst nach Pics, was du mir dann schickst als kleiner Junge im 
Spidermanschlafanzug hat- wie kann es anderes sein -Witz. 
Wir blödeln mit Tasten und Gifs, wir tippen wie im Rausch. 
Du packst immer mehr Cyberflirttricks aus.

Seit drei Monaten bist du getrennt. Das hast du mir noch auf der Plattform 
für Singles erzählt. Du suchst den Kick und probierst was geht. 
Obwohl ich es weiß, träum ich mit dir ein kurzes Leben in der Skyperealität.
Mit dir teile ich Fotos, sende Gedanken, die du herzlich kommentierst. 
Meine Controlltaste warnt und wird ignoriert. Deine geenterten Komplimente 
erreichen mein Glücksareal im Gehirn inzwischen unreflektiert.

Home etwa eine Stunde von mir, Office in der gleichen Stadt an drei Tagen.
Sonst beides an einem Ort, als Informatiker kannst du so worken.
Tagsüber manchmal ein kurzes Hi, wie geht’s? 
Abends glüht der Monitor inzwischen auch bei ernsthaften Gespräch. 
Du bist Amerikaner und genau mein Typ: intelligent, sensibel, humorvoll
und verdammt sweet. Du auf Adventuretour nach einer tiefen Krise, 
mein Jahr war auch nicht sehr gut, die Voraussetzungen für ein Date 
im wahren Leben sind miese.

Es waren dann zwei. Das erste sehr kurz nach der Arbeit im Park. 
Du warst distanziert, ich dachte okay das wars. 
Danach trat ich dir und dem Schicksal in den Arsch.
Am Abend schreibst du viel und klärst mich auf, du sei'st sehr schüchtern 
und schwärmst von mir als hübscher Frau. Damit steigst du unmittelbar 
vom Heartundertaker zum Prince of Whiteskype auf. 

Nach dem zweiten „Date“ sah das ganz anders aus. 
Der Schwarm animierter Schmetterlinge umflatterte der Controllampe Licht,
so sah ich das hektische Blinken nicht.
Deinem Vorschlag bei mir zu frühstücken, stimmte ich zu - wenig intuitiv. 
Wie naiv!